Zwischen Schattentheater und Streetart

Dome - “Outsourced memory”
Dome – “Outsourced memory” Paper sculpture reinforced by wire. Ink, acrylics and beaten gold on 250gr. paper on wood 30 cm x 30 cm

Auf einen Plausch mit DOME

Als wir uns dem Stand der Galerie P13 nähern, ist er schon von Weitem zu erkennen: Seinen Hut hat DOME so gut wie immer dabei. Schon lange malt der gebürtige Karlsruher seine charakteristischen, schwarzen Schattenfiguren nicht mehr nur auf Mauern, sondern auch auf Leinwände, Kartons und Papier. Mit diesen wesentlich leichter zu transportierenden Werken ist er heute auf der Art Karlsruhe vertreten und erinnert sich für Glarify an eines seiner frühen Murals, das noch heute in Karlsruhe zu sehen ist. „Das wird auch noch lange so bleiben. Um das Bild zu übermalen, müsste man nämlich in den Fluss unter der Brücke steigen und von dort aus arbeiten!“ erinnert er sich. „Damals habe ich vier Tage lang in einer Anglerhose drin gestanden und mich halb tot gefroren – für gewöhnlich braucht man für ein Artwork dieser Größe maximal zwei!“ Sein Körper hat’s ihm direkt gedankt – mit einer dicken Erkältung.

Dome - “Imagination conquering the world”
Dome – “Imagination conquering the world” Acrylic and spraypaint on concrete | 4,5m x 17 m | Karlsruhe/Germany

Wie kommt man überhaupt auf so eine spezielle Location? „Da die Flächen in der Gegend legal für Streetart frei gemacht worden sind, war im Grunde schon alles zu gemalt. Nur genau diese bestimmte Stelle blieb ewig leer, weil keiner besonders große Lust hatte tagelang im Wasser zu stehen – das bedeutete umgekehrt aber auch, dass niemand so schnell auf die Idee kommen würde, meine Arbeit zu übermalen“, so der Künstler. Nachdem die ersten Notizen und Skizzen gemacht waren, verschwanden sie aber wie so vieles unter einem weiteren Berg an Notizen und Skizzen. Erst Jahre später fand DOME sie beim Aufräumen seines Studios wieder und er entschloss sich kurzerhand das lang geplante Werk endlich aufs Gemäuer zu bringen. Dass ihm dabei der eiskalte Fluss von unten und die herunter brennende Sonne von oben die Arbeit aber so erschweren würden, hätte er sich jedoch nicht träumen lassen. „Nochmal mache ich das bestimmt nicht“, lautet daher sein Fazit.

Christian DOME Krämer - Photos by Sebastian Heck
Christian DOME Krämer – Photos by Sebastian Heck

Das muss er auch nicht, denn seine Aufträge führen ihn ohnehin an weitere spannende Orte und halten die eine oder andere Überraschung für ihn bereit: „In Mumbai ging mitten beim Malen des Murals der Kran kaputt. Zum Glück war ich gerade unten als die Leitung geplatzt ist. Bei vierzig Grad hätte ich es hoch oben sicher nicht sehr lange gemacht…“ erzählt er. Acht Stunden später konnte es wieder weitergehen und mittlerweile radelt über die siebenstöckige Hauswand eine seiner elchköpfigen Schattenfiguren mit Fisch unterm Arm und Gitarre im Gepäck. „Die Idee für die Figuren entstand ehrlicherweise aus meiner Faulheit“ gibt DOME zu. „Ich war es leid immer wieder von vorn neue Gestalten zeichnen zu müssen, also fertigte ich einfach die jeweiligen Körperteile in verschiedenen Größen und Geschlechtern aus Papier an. Mit diesem Bausatz war es dann möglich die Komposition ganz unkompliziert immer wieder zu ändern und zu variieren.“ Der allererste Impuls kam jedoch viel früher, von seiner Mutter, die ihn als Kind mit ins Schattentheater genommen hatte – daher auch die Gliederstruktur und schwarze Farbigkeit der Figuren.

Auch die neusten Papierskulpturen und Gemälde, die DOME auf die Art Karlsruhe präsentiert, sind in seiner gewohnten Manier. Zusätzlich zu ihrem ästhetischen Anspruch üben sie sich jedoch – demonstrativ ein Handy in die Luft haltend – auch in der Sozialkritik. „Diese Messenger für Smartphones kann ich überhaupt nicht leiden. Man braucht viel zu viel Zeit und Aufmerksamkeit, nur um sich letztendlich mit einer toten Art der Kommunikation zu beschäftigen.“ Viel lieber sei ihm da der direkte Kontakt, am Telefon oder, so wie jetzt gerade, von Angesicht zu Angesicht. „Zum einen ist es nicht so unverbindlich wie über eine unpersönliche Textnachricht, zum anderen lenkt es mich nicht unnötig ab.“ Mittlerweile nutzt DOME nur noch facebook zur digitalen Kommunikation, alles andere hat er verbannt. Und auch das checkt er lediglich alle paar Tage. Stattdessen widmet er die dadurch gewonnene Zeit lieber seiner Arbeit.

Dome - “Fitting verdict” 3 m x 8,8 m acrylic and spraypaint on wall
Dome – “Fitting verdict” 3 m x 8,8 m acrylic and spraypaint on wall

Irgendwelche Herzensprojekte, die jetzt noch kommen dürfen? „Irgendwann würde ich gerne einen ganzen Raum mitsamt Decke und Boden ausmalen, den die Betrachter wie einen Themenpark begehen und eine andere Welt eintauchen könnten. Das wäre mein Traum“, antwortet DOME. Auf diese Arbeit freuen wir uns schon.

Petra Xayaphoum


 

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