Der Maler als Fotograf

Ernst Ludwig Kirchner steht für farbkräftige Akte in der freien Natur, für scharf konturierte Großstadtbilder und für dynamische Berglandschaften, die von seinem langjährigen Aufenthalt im hochalpinen Davos inspiriert wurden. Dass der Expressionist aber nicht nur jene Gemälde und Grafiken hinterließ, die ihn so berühmt gemacht haben, sondern auch eine große Zahl an Glas- und Zellulose-Negativen, dürfte daher einige überraschen.

 

 

In Halle 1 der Art Karlsruhe 2016 wird das Kirchner Museum Davos eine Auswahl an Fotografien präsentieren, die seltene Einblicke in den Schaffensprozess Kirchners erlaubt. Zwar konnte er der Fotografie als Kunstform nichts abgewinnen, was ihn aber nicht daran hinderte, sie als Mittel der Dokumentation und Inspiration für sein künstlerisches Schaffen zu nutzen. So finden sich in seinen Gemälden immer wieder Fotografie-typische Effekte wie der Ausschnitt, Weitwinkel oder die Nahsicht. In der „Reiterin“ von 1932 vereinen sich beispielsweise Vorder-, Rücken- und Seitenansicht zu einem Ganzen – erinnert das etwa nicht an Effekte, die aus der fotografischen Doppelbelichtung bekannt sind?

 

Ernst Ludwig Kirchner - Die Reiterin, 1931 - Kirchner Museum Davos
Ernst Ludwig Kirchner – Die Reiterin, 1931 – Kirchner Museum Davos

 

Abgerundet wird die Ausstellung von zahlreichen Porträts bekannter Persönlichkeiten, wie Alfred Döblin, Henry van der Velde oder Oskar Schlemmer, die Kirchner auf seiner eigenen Veranda aufgenommen hat.

 

 

 


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