ART ALARM 16 * Schacher – Raum für Kunst

Johanna Jakowlev, Martin Leuze, Sergei Moser
Freiräume

19.09.2015 – 15.11.2015

Johanna Jakowlev, Versatzstücke, 2015, Acryl auf Leinwand, 110 x 160 cm
Johanna Jakowlev, Versatzstücke, 2015, Acryl auf Leinwand, 110 x 160 cm
Martin Leuze, Tokyo/Nishiikebukuro und Berlin/Herzbergstraße, 2014, jeweils C-Prints, 80 x 65,5 cm
Martin Leuze, Tokyo/Nishiikebukuro und Berlin/Herzbergstraße, 2014, jeweils C-Prints, 80 x 65,5 cm
Sergei Moser, Wachsturm, 2014/15, Linoldruck (Unikat), 28 x 18 cm
Sergei Moser, Wachsturm, 2014/15, Linoldruck (Unikat), 28 x 18 cm

Workshop/Druckvorführung mit Sergei Moser: So, 27.09.2015, 15 Uhr

Es war schon immer ein großer Gewinn, mit den Augen eines Künstlers die urbane Umgebung, losgelöst von der zweckgerichteten Wahrnehmung als Bewohner oder Verkehrsteilnehmer, zu reflektieren. Stadtansichten haben eine mindestens 600-jährige Tradition. Die Künstler der Ausstellung „Freiräume“ führen diese Tradition in ihrer eigenen individuellen Bildsprache fort – und beweisen dabei viel Mut zur Lücke.

Martin Leuze (1977 geboren in Leonberg, lebt in Berlin) durchstreift und dokumentiert mit aufmerksamen Blick internationale Metropolen wie Tokio, Seoul, Dubai, Budapest, Riga, Malaga, Lissabon und seine Heimatstadt Berlin und erzeugt dabei buchstäblich Architektur-Ausschnitte. Die fokussierten Rasterflächen, Muster, Quader, Wellen und Bänder erinnern an abstrakte Gemälde und raffinierte Collagen, zeigen aber reale Stadtansichten. In verschiedenen Metropolen aufgenommene Fotografien werden als Diptychon direkt nebeneinander präsentiert und fordern uns zum Vergleichen auf: Gibt es eine individuelle, topografisch bedingte Formensprache überhaupt noch? Oder ist diese längst der Globalisierung und der Höchstausnutzung von Lebens- und Arbeitsräumen gewichen?

Auch Johanna Jakowlev (1980 geboren in Stuttgart, lebt in Heilbronn) fokussiert vermeintlich unscheinbare Architektur-Ausschnitte. Allerdings existieren ihre in Acryl auf Leinwand gemalten Bauten in der Realität nicht. Nicht so. Als Vorlage dienen ihr eigene Fotos und/oder Abbildungen aus Zeitschriften, die sich über Wochen hinweg auf der Leinwand wie in einer Collage verdichten. Das Fehlen von Türen und Fenstern macht ihre Gebäude zu riesigen Minimal Art-Skulpturen. Trotz ihrer teils apokalyptischen, futuristischen Atmosphäre strahlen alle Werke eine enorme Poesie und Romantik aus.

Sergei Moser (1976 geboren in Moldawien, lebt in Heilbronn) erweitert mit seinen im „Projektraum“ der Galerie gezeigten Linoldrucken den Dialog zum Trialog. Seine als Rauminstallation präsentierten Drucke zeigen mutierte und mutierende Mischwesen aus exotischen Pflanzen und eigenwilliger Architektur, denen wir beim Wachsen zusehen können.

Die Werke von Jakowlev, Leuze und Moser verbindet eine Rätselhaftigkeit, ein Gefühl der Ort- und Zeitlosigkeit. Weil sie uns Hinweise auf eine Funktionalität der Gebäude vorenthalten. Die Bauten scheinen sich selbst zu genügen, sie brauchen den Menschen nicht (mehr). Erst ohne die Bewohner und Benutzer kommt die Schönheit des Unschönen zur Geltung! Die gemalten, fotografierten und gedruckten Häuser, Türme und Fassaden sind geometrisch, aber trotzdem anarchistisch, anonym, aber dennoch individuell, trostlos, aber auch tröstend, still, aber trotzdem erzählerisch.

Schacher Raum für Kunst

Eröffnung:

Freitag, 18.09.2015, 19:00 Uhr


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