ART ALARM 16 * Galerienrundgang Stuttgart

26. – 27. 09. 2015

ArtAlarm_Design_2015

24 Galerien bzw. 32 Galeristen (so viele wie schon lange nicht mehr) stehen in den Startlöchern, um in Stuttgart den ART ALARM auszurufen und mit dem so betitelten Galerienrundgang die neue Ausstellungssaison 2015/16 zu starten. Die vier neu hinzu gekommenen Galerien von Braunbehrens, Stöckle Hauser, Uno Art Space und Galerie Z demonstrieren die Lebendigkeit der hiesigen Kunstszene und beweisen die Kollegialität und Offenheit des Veranstalters: der Initiative Stuttgarter Galerien zeitgenössischer Kunst e.V.

Die bisher in München ansässige Galerie von Braunbehrens tritt während des ART ALARMs erstmals unter der Regie von Frank Molliné mit einer Gruppenausstellung ins Licht der Stuttgarter Öffentlichkeit. Gezeigt werden Gemälde, Skulpturen, Fotos und Videos von Künstlern, die in Stuttgart bereits bekannt sind (Willi Siber, Luzia Simons) und Künstler, die sich vor allem international einen Namen gemacht haben (Jonathan Stein, Joan Fontcuberta, Marck, José Cobo). Die Galerie Z zeigt in ihren neuen Räumen in der Firnhaberstraße Arbeiten des Stuttgarters Thomas Putze, der vor allem für seine Skulpturen und Performances bekannt ist. Die Schau „Thomas Putze Platt“ konzentriert sich auf seine Wurzeln, sein künstlerisches Lebenselixier: die Zeichnung. Die Galerie Stöckle Hauser zeigt Ana Maria Tavares, die sich mit der Beziehung zwischen Bildender Kunst, Architektur, Design und dem architektonischen Erbe der Moderne in Brasilien beschäftigt. Industrielle und organische Materialien sind gleichberechtigt vereint, die Grenzen zwischen Fotografie und Skulptur lösen sich auf. Ute Noll zeigt in ihrem Uno Art Space Min Bark und Byung Chul Kim. Beide sind in Seoul geboren, waren in der Klasse von Christian Jankowski und widmen sich den Themen Herkunft/Identität/Zugehörigkeit. Während Min Bark ein Kinder-Passbild als überdimensionale Malerei umsetzt, erschafft Byung Chul Kim mit seinen Zeichnungen Parasiten, Pilze und Insekten – für ihn Gleichnisse für das unerwünschte Eindringen in eine geschlossene Lebenswelt.

Auch andere Galerien haben sich dialogische Präsentationen unterschiedlicher Positionen und Medien auf die ART ALARM-Flagge geschrieben. Ist das der Trend 2015? Michael Sturm kombiniert großformatige Allover-Paintings des jungen Schweizers Dave Bopp mit kleinformatigen, oft Text und Bild vereinenden Zeichnungen von Kevin Simón Mancera aus Kolumbien. Edith Wahlandt befragt die Grenzen des Mediums Zeichnung mit einer Doppel-Schau von Katharina Hinsberg und Beate Terfloth. Während Terfloths Pinselzeichnungen und Leporellos Erlebnisse in Beijing reflektieren, setzt Hinsberg auf ihren Blättern einzelne Schnittlöcher nebeneinander und lotet so räumliche Dimensionen aus. Marko Schacher konfrontiert in Tokio, Dubai und Berlin entstandene, stille, aber dennoch erzählerische Architektur-Fotos von Martin Leuze mit gemalten Niemandsland-Gebäuden von Johanna Jakowlev. Die Galerie Keim stellt den großformatig gemalten Straßenszenen von Werner Fohrer die lebensgroßen Holzskulpturen von Britta Schmierer zu Seite. Die Galerie Abtart zeigt neue Arbeiten des Künstlerpaares Dahl/Wagenblast: Während Isa Dahl ihren rhythmischen Geflechten aus Pinselschwüngen eine Bühne auf Tondi, Ovalen und Dreiecken bietet, fokussiert Daniel Wagenblast das bildhauerische Grundvokabular anhand von Glühbirne, Pistole und Panzer.

Mit den beiden zuletzt genannten Ausstellungen zeichnet sich ein zweiter Trend ab: die Präsentation dreidimensionaler Arbeiten. Durchaus mutig in Zeiten, in denen jeder Sammler über Platzmangel jammert. Vielleicht auch deshalb präsentiert die Galerie Schlichtenmaier Kleinplastiken aus einer Privatsammlung, darunter Werke von Jürgen Brodwolf, Emil Cimiotti und Thomas Putze. Andreas Henn zeigt Skulpturen von Günter Reichenbach, gefäßhafte, kolbenartig gelängte oder tropfenartige, ekstatische Wachstumsgebilde. Auch an der Grenze zur Wandskulptur stehen die Malereien von Stefan Wieland, der in der Galerie Strzelski farbige Acrylglasscheiben über die Ursuppe seiner Leinwände aus Sackleinen wabern lässt.

Faszinierend ist auch die Tiefe in den Tuschen von Hans-Christian Brix. Wer seinen Arbeiten in der Galerie Dengler und Dengler gegenübersteht, wird von Netzen aus kugelförmigen Gespinsten gefangen genommen. Real, unmittelbar und direkt in den Raum gehen die aus minimalen Eingriffen bestehenden Installationen von Daniel Schörnig, zu erleben bei Brigitte March. Unter dem Titel „Unit“ zeigt Markus Merkle bei Horst Merkle (weder verwandt, noch verschwägert) Papierarbeiten und Rauminstallationen, welche die Linie fokussieren.

Ganz klare Bekenntnisse zu Einzelpositionen sind die Ausstellungen der Galerien Thomas Fuchs, Hollenbach, Valentien und Klaus Braun. Die Galerie Thomas Fuchs zeigt unter dem Titel „Blau“ trügerisch realistische Wellen-Gemälde des Hamburgers Jochen Hein. Herbert Hamak darf sich über seine bereits siebte Einzelschau in der Galerie Hollenbach freuen: Zu sehen sind Bilder, die Farbe als raumverdrängende, halb transparente oder fast opake Masse mit unmittelbar vorstellbarem Gewicht zeigen. Die Galerie Valentien präsentiert neue Malereien von Anna Ingerfurth: kleinformatige Bilder, figürlich, aber nicht realistisch, voller Witz, aber auch voller philosophischer Tiefe. Klaus Braun zeigt als erste Einzelausstellung in Deutschland gestische Abstraktionen der gebürtigen Engländerin Erin Lawlor, die bis vor kurzem viele Jahre in Paris gelebt hat.

Wer die Chance, dass ihm/ihr etwas gefällt, erhöhen möchte, ist in den Gruppenausstellungen bestens aufgehoben. Amrei Heyne vereint unter dem Titel „Wanderlust“ Fotografien von Werner Pawlok und Klaus Frahm mit Gemälden von Alvar Beyer, Andrea Eitel, Holger Kurt Jäger, Anna Meyer und Felix Müller – und frohlockt: Stuttgart meets Wien meets Düsseldorf meets Hamburg meets Berlin meets Art Alarm!

Unter dem launigen Titel „I don’t care“ zeigt Reinhard Hauff eine reizvolle Melange der Medien und Arbeiten von Frank Ahlgrimm, Marc Bijl, Anne-Lise Coste, Wolfgang Flad, Thomas Locher, Josephine Meckseper, Julika Rudelius und Lasse Schmidt Hansen. Parrotta Contemporary Art kombiniert und konfrontiert Exponate von Gabriel Rossell Santillan, Konrad Mühe und Stefan Guggisberg. Gleich 15 malerische Positionen (aus 35 Jahren Galerie-Geschichte) zeigt Rainer Wehr. Mit Tobias Wyrzykowski, Friedrich Sieber, Julius Kaesdorf und Peter Dreher sind nicht nur Highlights dabei, sondern auch bewusst Positionen, die drohen, vergessen zu werden – darunter auch Arbeiten von Wehr selbst.

In vielen Galerien sind die Künstler anwesend und freuen sich auf neugierige Fragen. Das gemeinsame Unterwegs-Sein mit anderen Kunstinteressierten macht Spaß, initiiert neue Freundschaften und ist eine ideale Gelegenheit, die hohe Qualität und Vielfalt der Stuttgarter Galerienszene kennen zu lernen.

Zum Abschluss des ersten ART ALARM-Tages bitten die Galeristen am Samstag, den 26.9. ab 20.30 Uhr zum „Come Together“ in’s La Piazza (Charlottenstraße 11, Eingang Urbanstraße). Hier haben die Kunstfans und Sammler die Möglichkeit, in ungezwungener Atmosphäre auf die Galeristen und Künstler zuzugehen, begonnene Gespräche zu vertiefen und neue zu beginnen.

Weitere Infos zu den Ausstellungen, Wegbeschreibungen sowie Anbindungen an die öffentlichen Verkehrsmittel hält die ART ALARM-Broschüre bereit. Das Heft liegt ab August kostenlos in allen beteiligten Galerien und vielen Kulturinstitutionen in der Region Stuttgart aus. Zudem informiert die Homepage http://www.art-alarm.de über das gesamte Programm.

ART ALARM-Presseteam

Eva Hollenbach, Marko Schacher

Art Alarm_2015

  1. ART ALARM: Sa 26.9.2015, 11-20 Uhr; So 27.9.2015, 11-18 Uhr; www.art-alarm.de

Come Together: Sa 26.9.2015, ab 20.30 Uhr, La Piazza, Charlottenstraße 11 (Eingang Urbanstraße)

24 beteiligte Galerien: Abtart, Klaus Braun, von Braunbehrens, Dengler und Dengler, Thomas Fuchs, Reinhard Hauff, Amrei Heyne, Andreas Henn, Hollenbach, Keim, Brigitte March, Merkle, Uno Art Space, Parrotta Contemporary Art, Schacher – Raum für Kunst, Schlichtenmaier, Strzelski, Stöckle Hauser, Michael Sturm, Valentien, Edith Wahlandt, Rainer Wehr, Galerie Z


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